| von Michael Baller

Biologische Vielfalt im Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal

Die Sumpfschrecken brauchen Feucht- und Nasswiesen, welche in der Vergangenheit vielfach trockengelegt wurden. Heute sind diese Lebensräume zudem oft durch Nutzungsaufgabe bedroht. Die schöne Heuschrecke ist deshalb in Thüringen gefährdet.
Die Sumpfschrecken brauchen Feucht- und Nasswiesen, welche in der Vergangenheit vielfach trockengelegt wurden. Heute sind diese Lebensräume zudem oft durch Nutzungsaufgabe bedroht. Die schöne Heuschrecke ist deshalb in Thüringen gefährdet.

Fürstenhagen. Der alljährlich am 22. Mai begangene Internationale Tag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt erinnert an die 1992 in Nairobi angenommene Biodiversitäts-Konvention. Ein zentrales Ziel dieses internationalen Umweltabkommens ist der Erhalt der biologischen Vielfalt. Dazu gehört die Vielfalt der Ökosysteme - also die Lebensgemeinschaften, Lebensräume und Landschaften - die Artenvielfalt und die genetische Vielfalt innerhalb der Arten.

Um seinen Verpflichtungen aus der Konvention nachzukommen, hat Deutschland eine Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt entwickelt. Dazu wurden 30  Regionen zu „Hotspots der biologischen Vielfalt“ erklärt, welche jeweils einen besonderen Reichtum charakteristischer Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten aufweisen. Eines dieser „Schatzkästchen“ der Natur umfasst, gemeinsam mit dem Hohen Meißner und dem Kaufunger Wald in Hessen, große Teile des  Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal. Denn hier sind noch vielfältige naturnahe Buchenwaldgesellschaften zu finden, von welchen die trockenen und wärmebegünstigten Orchideen-Buchenwälder Heimat von teils seltenen Pflanzen und Tierarten sind. Außerdem können im Naturpark die größten Eibenvorkommen Thüringens erlebt werden. In Waldschutzgebieten und im Nationalpark Hainich, welcher Bestandteil des Naturparks ist, laufen natürliche Waldentwicklungsprozesse ab, welche als zukünftige Urwälder schon heute vielen Urwaldarten Lebensraum bieten.

Im südlichen Eichsfeld und im  Werrabergland haben die Werra und ihre zahlreichen Nebenbäche aus der ursprünglichen Muschelkalkplatte eine Landschaft herausmodelliert, welche sich durch tief eingeschnittene Täler, Bergstürze und Steilhänge und somit ganz besondere Biotope auszeichnet. Der Wald gerät hier an seine natürlichen Grenzen. An seine Stelle treten wärmeliebende Staudenfluren und Trockengebüsche, welche wiederum eine ganz spezielle Tier- und Pflanzenwelt aufweisen.

Es sind aber vor allem die durch bäuerliche Tätigkeiten im 17., 18. und 19. Jahrhundert entstandenen Kulturlandbiotope, welche die hohe Artenvielfalt des Naturparks prägen. So sind die durch Schaf- und Ziegenbeweidung entstandenen Kalkmagerrasen und Wacholderheiden Lebensraum vieler Orchideen, Enziane sowie wärme- und trockenheitsliebender Tiere. Mahdwiesen auf feuchten und nassen Standorten haben wiederum eine eigene Fauna und Flora. Die Wildkrautflora der Kalkäcker zählt zu den artenreichsten in Thüringen.

Seit der Intensivierung der Landwirtschaft in den letzten 100 Jahren, sind aber viele der Kulturlandbiotope im Naturpark in ihrem Fortbestand stark gefährdet und mit diesen auch ihre charakteristischen Tier- und Pflanzenarten. Fehlende Schaf- und Ziegenbeweidung lässt die einstmals artenreichen Magerrasen verbuschen und wiederbewalden. Düngung und Güllegaben haben aus blütenreichen bunten Mähwiesen vielfach ein artenarmes Einheitsgrünland geschaffen, in welchem nur noch der Löwenzahn für Farbtupfer sorgt. Herbizide reduzieren die Ackerwildkräuter und die praktizierte Feldrandhygiene gibt diesen Arten zudem keine Rückzugsmöglichkeiten.

Zur Aufgabe des Naturparks gehört es, diesen negativen Trend zu stoppen und die Reste der einstmals reichen Kulturlandschaft mit ihrer Vielfalt an Lebensräumen und Arten zu erhalten. Das geht aber nur gemeinsam mit den im Naturpark lebenden Menschen, vor allem den hier agierenden Landwirten und Landnutzern. Nur so  können wir unser „Schatzkäschen“ der Natur im Nordwesten Thüringens auch für unsere Kinder und Enkel reich gefüllt halten.

Arne Willenberg, Arten- und Biotopschutz

Das unter Naturschutz stehende Sumpfherzblatt ist in Thüringen stark gefährdet. Auch im Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal ist die Pflanze nur noch sehr selten zu finden, da sumpfige Wiesen, Quellfluren und Flachmoore als Lebensräume vielfach Opfer der
Das unter Naturschutz stehende Sumpfherzblatt ist in Thüringen stark gefährdet. Auch im Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal ist die Pflanze nur noch sehr selten zu finden, da sumpfige Wiesen, Quellfluren und Flachmoore als Lebensräume vielfach Opfer der

Uwe Müller

Öffentlichkeitsarbeit und Tourismus


Tel.: 0361 57 3915 004

uwe.mueller@nnl.thueringen.de

Arne Willenberg

Arten- und Biotopschutz


Tel.: 0361 57 3915 006

arne.willenberg@nnl.thueringen.de


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