| von Michael Baller

Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal

Die Feuchtwiesen der Kefferhäuser Struth zeigen in den kommenden Wochen wieder eine herrliche Blütenbrach, hier mit der selten gewordenen Trollblume und dem Wiesenknöterich | Foto: Arne Willenberg
Die Feuchtwiesen der Kefferhäuser Struth zeigen in den kommenden Wochen wieder eine herrliche Blütenbrach, hier mit der selten gewordenen Trollblume und dem Wiesenknöterich. | Foto: Arne Willenberg

Am 22. Mai 2021 ist der "Internationaler Tag für die biologische Vielfalt", der auf den weltweiten Schwund der biologischen Vielfalt aufmerksam machen soll. Oft wird dieser Aktionstag auch einfach nur als Tag der Artenvielfalt bezeichnet. Dabei ist die biologische Vielfalt oder Biodiversität weit mehr als nur die Anzahl der Tiere, Pflanzen und anderer Organismen in einem Gebiet. Zur biologischen Vielfalt gehören auch die Wechselwirkungen zwischen den Arten, ihre genetische Vielfalt, ihre Vergesellschaftung, ihre mannigfaltigen Anpassungen an die Umweltbedingungen, aber auch ihre natürlichen Reaktionen auf Parasiten und Krankheitserreger, einschließlich Viren.

Somit kann zwar die Artenanzahl in einem forstwirtschaftlich betreuten Wald viel höher als in einem Urwald sein, dies schon allein wegen der künstlichen Anpflanzung verschiedenster Baumarten, trotzdem ist die Biodiversität in den natürlichen Waldgesellschaften sehr viel höher zu bewerten. Denn letztere sind stabiler und weit besser an die jeweiligen Standorte angepasst. Sie sind vielfach Lebensraum von hochspezialisierten Arten, welche in Wirtschaftswäldern nicht vorkommen können. Im Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal können solche Zusammenhänge gut beobachtet werden, findet sich doch hier sowohl der Urwald des Nationalparks Hainich, als auch forstwirtschaftlich genutzte Wälder. Zudem können die meisten Wälder des Naturparks, trotz Nutzung, als naturnah und naturschutzfachlich sehr wertvoll angesehen werden. Der Erhalt zum Beispiel der wertvollen Eiben-Buchenwälder und der Orchideen-Buchenwälder, als gemeinsames Ziel von Forst und Naturpark, ist ein Beitrag für die Biodiversität.

Außerhalb der Wälder wartet der Naturpark mit einer großen Vielfalt an Lebensräumen in der Kulturlandschaft auf. Dass wir diese an unsere Nachkommen weitergeben können, geht nur in Zusammenarbeit mit den hier wohnenden und tätigen Menschen. Denn es waren die bäuerlichen Aktivitäten vergangener Generationen, welche blumen- und insektenreiche Wiesen, orchideenreiche Magerrasen, Hecken und Streuobstwiesen entstehen ließen. Der Naturpark unterstützt deshalb Landwirte, deren Landnutzung Vielfalt und Artenreichtum erhalten und wiederherstellen.

Im Naturpark laufen Projekte zur Optimierung und zur Wiederherstellung von vom Verschwinden bedrohter Lebensräume. Dazu gehören zum Beispiel die Kalktuffquellen und die Kalkniedermoore. Gerade letztere sind im Gebiet des Naturparks akut vom Verschwinden bedroht, was auch das Aussterben zahlreicher an diese Lebensräume gebundener Tier- und Pflanzenarten bedeuten würde.

Der Tag der Biologischen Vielfalt soll aber nicht nur für die genannten Probleme sensibilisieren, sondern auch zur Entdeckung der Artenvielfalt im Naturpark einladen!

 

Unser Tipp zur Entdeckung der Vielfalt vor der Haustür:

„Wege in die Urwälder von Morgen“ gibt es auf den 16 Urwaldperlen in Thüringen. Der Urwaldpfad bei Heilbad Heiligenstand ist einer davon, um die Waldwildnis im Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal zu entdecken. Markiert ist der Gesamtweg (3,1 km) mit einem schwarz-weißen Kardinalkäfer. Der Wanderparkplatz liegt an der L2022 von Bernterode kommend Richtung Heiligenstadt.

Der Rundwanderweg Adolfsburgstieg bei Treffurt (12 km) bietet bunte Facetten des Naturparks: traumhafte Ausblicke in die Kulturlandschaft, blühende Streuobstwiesen und Raritäten aus der Orchideenwelt. Startpunkt der Tour ist der Wanderparkplatz an der Burg Normannstein.

Die Vielfalt vor der Haustür unterstützen:

Mit der Aktion „Werden Sie Artenschützer*in“, welche Ende April gestartet ist, lädt das Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz alle Thüringerinnen und Thüringer ein, sich aktiv für den Schutz von Insekten einzusetzen. Das Blumensaat-Mobil verteilt Samentüten oder bestellen Sie sich die bunte Insektenfreude nach Hause. Nähere Informationen unter: Werden Sie Artenschützer | Thüringer Umweltministerium (thueringen.de)

Unter dem Titel „Naturschutz beginnt vor der Haustür – in kleinen Schritten zu einem bunten, lebenswerten Wohnumfeld“ kann bei der Stiftung Naturschutz Thüringen ein Förderantrag für das „eigene“ Naturschutzprojekt gestellt werden. Dabei werden Projekte gefördert, die dazu beitragen, die Natur im unmittelbaren Wohnumfeld zu schützen und zu verbessern. Nähere Informationen unter: Stiftung Naturschutz Thüringen - Naturschutz beginnt vor der Haustür! (stiftung-naturschutz-thueringen.de)

 

In totholzreichen Laubwäldern ist die Vielfalt an holzzersetzenden Pilzen besonders groß. | Foto: Arne Willenberg
In totholzreichen Laubwäldern ist die Vielfalt an holzzersetzenden Pilzen besonders groß.| Foto: Arne Willenberg

Arne Willenberg

Arten- und Biotopschutz


Tel.: 0361 57 3915 006

arne.willenberg@nnl.thueringen.de


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