Es gibt in Deutschland nur noch sehr wenige Regionen mit ursprünglicher Landschaft. Wälder zum Beispiel im Hainich, der Müritz oder im Jasmund, die so aussehen, als hätte der Mensch Mitteleuropa nie bevölkert. Alles andere sind Kulturlandschaften, denen der Mensch seinen Stempel aufgedrückt hat. Alte Kirchen, Kanäle und große Gärten gehören genauso dazu, wie Felder, Weiden, Fischteiche und Wirtschaftswälder oder auch Industrieanlagen. Dazu kommen Dörfer, Städte, Straßen, Versorgungsleitungen…
Kulturlandschaften sind aber auch Ökosysteme und viele von ihnen sind sehr reich an Arten. Vielfach hat erst die menschliche Bewirtschaftung Lebensräume für seltene Pflanzen und Tiere geschaffen, wie die folgenden Beispiele zeigen. Aber noch etwas anderes ist vielen Kulturlandschaften zu Eigen: die Kultur. Architektur, zum Beispiel Burgen oder Fachwerkhäuser, Dialekte, Bräuche und Sagen gehören zu einer Kulturlandschaft, aber auch Erzeugnisse aus dem Bereich Kunsthandwerk wie Textilien, Töpferwaren, Glaskunst oder regionale Spezialitäten.
Naturparke sind Schutzgebiete, die dazu beitragen, die Ansprüche der Menschen an ihre Lebens- und Wirtschaftsräume mit den Anforderungen von Landschafts- und Naturschutz in Einklang zu bringen - so steht es im Leitbild der Naturparke, die Mitglied bei EUROPARC Deutschland sind. Wie dieser Anspruch in der Praxis umgesetzt wird, zeigt das Beispiel aus dem Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal:
Der Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal liegt nördlich von Eisenach in Thüringen. Der reizvolle Wechsel von Wald, Wiesen, Acker – und Heckenstrukturen und die darin eingebetteten 107 Dörfer machen die abwechslungsreiche Landschaft des Naturparks aus. Als besonders eindrucksvoll wird von den Gästen der meist noch intakte Übergang vom Dorf in die Landschaft wahrgenommen. An die kompakte Bebauung schließen sich Bauerngärten an, Streuobstwiesen oder Wachholderheiden ziehen sich hinauf bis an den Waldrand. Die Dörfer sind wie ein Spiegel der Landschaft – geprägt von Hofanlagen aus Fachwerk mit Sockeln und Stützmauern aus anstehenden Gesteinsarten Bundsandstein und Muschelkalk, sowie den roten Dachlandschaften der Ziegeldächer. Der Naturpark hat es sich zum Ziel gesetzt, diese Baukultur nicht nur zu konservieren, sondern an einer zukunftsfähigen, landschaftsgerechten Siedlungsentwicklung mitzuwirken. Der Kern der Arbeit wird in einem Buch von über 100 Seiten dargestellt: „Dorfentwicklung im Naturpark“. Es wird als Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit und Bildung für nachhaltige Entwicklung des Freistaates Thüringen vor allem an die Kommunen und Einwohner im Naturpark kostenlos abgegeben. Im Buch kommen Bauherren zu Wort, die durch fachgerechte Sanierung und durch sinnvolle Nutzung erheblich zur Bewahrung historischer Bausubstanz beitragen haben. Aber auch im Bereich kommunaler Bauvorhaben werden viele Beispiele erfolgreicher Dorfgestaltung vorgestellt. Für alle, die nicht im Naturpark bauen oder investieren wollen, ist das Buch ein schöner Reiseführer durch die unverwechselbaren Orte und Landschaften des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal.
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