Der 1914 erbaute Bahnhof Fürstenhagen war seinerzeit einer der kleinsten Kopfbahnhöfe Deutschlands. Er war die einzige Wassertankstelle für die Lokomotiven auf der Strecke der Zahnradbahn zwischen Heiligenstadt/Ost und Schwebda. 1995 wurde der Turm unter Denkmalschutz gestellt und anschließend grundlegend saniert. Heute ist die Naturparkausstellung dort untergebracht.
Am 1. Oktober 1914 wurde die Eisenbahnstrecke von Heiligenstadt nach Schwebda eröffnet. Der Linienverlauf durch das hügelige Obereichsfeld bedingte diverse Eigenheiten in der Streckenkonstruktion. Auf ihrem Weg nach Fürstenhagen, mit 491 m NN der höchste Punkt der Linie, hatte die Lok beträchtliche Steigungen zu überwindenden. Die erheblichen Höhenunterschiede zwischen Krombach und Fürstenhagen sowie zwischen Pferdebachtal und Kalteneber konnten damals nur durch den Einbau von Zahnstangenabschnitten und den Einsatz von Zahnradlokomotiven überwunden werden. Da die Lokomotiven während der Fahrt in Zahnstangenabschnitten am talseitigen Zugende laufen mussten, legte man am Bahnhof Fürstenhagen eine Spitzkehre an, die ein Umsetzen der Dampflokomotive ermöglichte. Die steile Streckenführung bewirkte des Weiteren einen erhöhten Dampfverbrauch der Lokomotiven, so dass ein Auffüllen von Kesselwasser erforderlich war. Zu diesem Zweck wurde am Bahnhof ein 19m Wasserturm errichtet. Die Errichtung der Bahnlinie war zu der Zeit eine wichtige Strukturmaßnahme für die Entwicklung des Obereichsfeldes.
Am 8. April des Jahres 1945 geriet der "Fürstenhäger" Bahnhof unter amerikanischen Beschuss und wurde stark beschädigt. Zwei Jahre später legte die Sowjetische Militäradministration die Eisenbahnlinie Heiligenstadt-Schwebda still und ordnete den Rückbau an.
Bilder: 1 + 2 und 11 (evtl. noch weitere Bilder aus der Zeit und ein Fahrplan?)
Nach der Stilllegung 1947 vermietete die Reichsbahn das Bahnhofsgebäude von Fürstenhagen bis 1970 als Wohnung. Von 1972 bis 1990 befand sich hier ein landwirtschaftliches Schulungszentrum. Der durch die Lage im innerdeutschen Grenzstreifen abgeschirmte Bahnhof war zudem ein beliebtes Jagd- sowie Urlaubsquartier und wurde für Feierlichkeiten genutzt. Der Wasserturm blieb all die Jahre ohne Nutzung und verfiel langsam.
Bilder: 3 – 6
Eine der letzten Amtshandlungen der DDR-Übergangsregierung war 1990 der Beschluss über das so genannte Nationalparkprogramm. So wurde 1990 neben 23 weiteren Naturparks, Biosphärenreservaten und Nationalparks auch die Errichtung des Naturparks "Eichsfeld-Hainich-Werratal" beschlossen.
Zur Umsetzung dieses Beschlusses kaufte die Thüringer Landesregierung bereits im September 1990 den Bahnhof Fürstenhagen als zukünftigen Sitz der Naturparkverwaltung. Es dauerte dann noch einmal zwei Jahre bis die Naturparkverwaltung nach Einstellung des Naturparkleiters, Herrn Dr. Johannas Hager, im November 1992 in Fürstenhagen ihre Arbeit aufnahm.
In einem ersten Schritt wird 1995 der als technisches Denkmal geschützte Wasserturm als zukünftiges Informationszentrum des Naturparks wieder hergerichtet. Eine provisorische Ausstellung wird im Turm eingerichtet, die am 18.09.1996 durch den Thüringer Minister für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt, Dr. Volker Sklenar, feierlich eröffnet wird.
Nach fast 40-jährigem "Dornröschenschlaf" zieht in den Turm wieder Leben ein.
Bilder: 7 – 10
Der Turm entwickelte sich schnell zum Magneten für Besucher von nah und fern und auch die Schulen machen regen Gebrauch von den Umweltangeboten der Naturparkverwaltung rund um den Turm. Bis Ende 2004 haben ca. 50.000 Besucher den Turm besucht.
1999 konnte die Instandsetzung des Bahnhofs mit der Renovierung der weiteren Gebäudeteile abgeschlossen werden. Die Renovierung richtete sich nach alten Vorlagen. Im Nebengebäude konnte eine Wohnung für Zivildienstleistende und Praktikanten eingerichtet werden, wodurch eine siebentägige Öffnung der Verwaltung für Besucher und Interessierte abgesichert werden konnte. Das Gelände der Naturparkverwaltung wurde ebenfalls besucherfreundlich gestaltet
Seit der Eröffnung des Kiosks 2001 können die Besucher nun auch ihren Durst und Hunger beim Besuch des Naturparkzentrums stillen.
Am 1. 2005 konnte Dank der Unterstützung des Vereins der Freunde des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal und des Nationalparks Hainich e.V. eine professionelle Ausstellung im Turm ihre Pforte öffnen.